My Parents für Zuhausebleiber:innen

Wer ist David Hockney?

Wir möchten dir gerne David Hockney vorstellen, einen hervorragenden Maler, Zeichner, Bilderfinder und jemand, der sehr gerne Strickjacken trägt! David Hockney wurde 1937 im England geboren, rechnen wir kurz nach… er ist also ungefähr so alt, wie deine Großeltern jetzt sind? Oder sogar ein wenig älter? Ob er deshalb wohl Strickjacken so gut findet?

Als junger Mann ist Hockney in die Hauptstadt von England, nach London gezogen, um dort Kunst zu studieren. Das ist ihm so leichtgefallen, dass ihm dabei schnell langweilig wurde. Deshalb hat er früh angefangen, seinen ganz eigenen Stil zu entwickeln und immer Neues zu erfinden – bis heute! Hockney ist ein außergewöhnlicher Künstler, weil er Landschaften, Gegenstände und Menschen besonders farbenfroh und lebendig malt. 


My Parents, 1977

David Hockney: My Parents, 1977, Tate, © David Hockney, Foto: Tate

Das gezeigte Kunstwerk heißt My Parents und wurde 1977 von David Hockney gemalt. Es zeigt seine eigenen Eltern. Du kannst dir daher sicherlich vorstellen, dass in dem Werk einige Hinweise versteckt sind, die von Hockney selbst, seinen Interessen und vor allem seinen Eltern erzählen. 


In einem Kunstwerk kannst du dich wie ein Spion auf die Suche nach Formen, Farben und Geschichten machen. Betrachte das Werk in Ruhe und versuche zu beschreiben, was du siehst.

  1. Wie sehen die Personen aus?

  2. Was machen sie gerade?

  3. Unterscheiden sich die Körperhaltungen? Könnte es zum Beispiel sein, dass der Vater mit seinen Füßen trippelt? Warum hat die Mutter ihre Hände gefaltet?

  4. Schau dir den Blick von Mutter und Vater genauer an: Schauen sie sich gegenseitig an? Schauen sie dich an? Verrät dir ihr Blick vielleicht, was sie gerade denken oder fühlen?

  5. In welchem Zimmer befinden sich die Personen und wie ist es möbliert?

  6. Was kannst du auf dem Wagen entdecken?

  7. Verrät dir das Bild, welche Blumen Mutter und Vater mögen? Ob David Hockney sie auch mag?

  8. Findest du das Bild im Bild?

David Hockney interessiert sich sehr für Menschen. In diesem Werk untersucht er besonders das menschliche Verhalten, das Verhalten seiner eigenen Eltern.


Seine Mutter posiert richtig für das Gemälde: Anmutig hat sie ihre Hände im Schoß gefaltet. Die Füße hat sie nebeneinandergestellt, fast ein bisschen verlegen, der linke lehnt sich beim rechten Fuß leicht an. Freundlich blickt sie den Betrachtenden direkt an. Man kann sich vorstellen, dass sie ruhig abgewartet hat, bis Hockney das Gemälde fertig gemalt hatte. Wärst du so geduldig?


Hockneys Vater ist in ein Buch vertieft. Sein Blick ist nach unten gerichtet, so wirkt er in sich gekehrt und scheint den Betrachtenden gar nicht zu bemerken. Seine Füße trippeln ungeduldig auf dem Boden, vielleicht versucht er sich mit dem Buch die Zeit zu vertreiben, bis er endlich wieder aufstehen darf. Kennst du dieses zappelige Gefühl in den Beinen? Das Buch, welches er liest, heißt Art and Photography, das ist Englisch und bedeutet Kunst und Fotografie. Hat sich David Hockneys Vater also auch für Kunst interessiert?


Auf dem grünen Wagen liegen noch mehr Bücher, auf einem stehtChardin. Jean Siméon Chardin war im 18. Jahrhundert ein französischer Maler, der in seinen Kunstwerken ganz gewöhnliche Menschen in ihrem Zuhause und ihrem Alltagsgeschehen gemalt hat: Beim Wäschewaschen und Putzen, beim Federballspiel, beim Zeichnen. Das war sehr außergewöhnlich, denn als Chardin lebte, haben viele andere Künstler nur berühmte und wohlhabende Menschen porträtiert oder Szenen aus der Bibel und Mythologie gemalt, die den Menschen eine Lehre sein sollten, wie man sich richtig verhält. Chardin hingegen hat Menschen und Situationen gemalt, deren Form und Farbe er spannend fand. Dass David Hockney ausgerechnet ein Buch über diesen Künstler in seinem Bild platziert, ist sicher kein Zufall – vielmehr zeigt er dadurch sein eigenes Interesse an den Menschen, an Form und Farbe.


Auf dem grünen Wagen findest du auch das Bild im Bild. Tatsächlich steht ein kleiner Spiegel auf dem Tischchen, indem sich zwei weitere Kunstwerke spiegeln:

Oben rechts in der Ecke des Spiegels erkennt man, wenn man ganz genau hinsieht die Taufe Christi von Piero della Francesca, einem italienischen Künstler. Ein verstecktes Zeichen für den frommen Glauben von David Hockneys Mutter.

Der grüne Vorhang weiter unten im Spiegel ist ein Ausschnitt von einem anderen Werk von David Hockney, welches er ein Jahr zuvor gemalt hat. So verweist er auf seine eigenen Arbeiten.


David Hockney hat nicht nur ein Bild von seinen Eltern gemalt, sondern viele kleine Geschichten und Details versteckt, die der Betrachtende entdecken kann.

Im Moment ist es sehr schwierig, Zeit mit seinen Freunden und der Familie zu verbringen, vielleicht hast du auch deine Großeltern schon länger nicht besucht. Mal doch ein Bild von Ihnen und verschenke es an sie!


Greif dir deine Buntstifte und ein Blatt Papier und male ein Porträt deiner liebsten Freunde oder Verwandten. Treffen sie sich im Garten, Wohnzimmer oder in deinem Zimmer? Wie sieht es dort aus? Bist du auch auf dem Bild zu sehen? Bestimm fallen dir einige geheimnisvolle Details ein, die eine schöne Geschichte über deine Lieblingsmenschen und dich erzählen. 

Hier kannst du dir die Malanleitung als PDF herunterladen.


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