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Gerhard Richter (1932): Sekretärin, 1964, Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland

Sekretärin

Eine Frau eilt einen Büroflur entlang und reibt sich die Hände. Ihr Schatten fällt auf die mit einem Namensschild beschriftete Tür. Was wie ein Schnappschuss aussieht, wurde in einem Bericht der Neuen Illustrierten 1963 veröffentlicht. Dort wird über die Dargestellte berichtet, sie sei die Geliebte eines Anwalts gewesen, der ihretwegen seine Frau ermordet habe.

 

Richter bestätigte später, dass es ihm bei der Auswahl der Vorlage in erster Linie um die ausschnitthafte Alltäglichkeit des Photos ging: "Auch hier war es nur das Bild, auf das ich flog, und nicht die Geschichte. Es ist so wunderbar beiläufig." 

 

Richters Technik der Übertragung des Illustriertenphotos auf das große Format der Leinwand kann man beispielhaft an diesem Gemälde studieren. Er ließ die Quadrierung, die er zur Vergrößerung der Darstellung auf das großformatige Gemälde benötigte, stehen. Außerdem ließ er die Seitenstreifen unbemalt, wodurch er betont, dass es sich nicht um die Wiedergabe von Realität handelt, sondern um die Reproduktion einer Abbildung.