Young Member

Die Young Members des Bucerius Kunst Clubs sind die Kunstmäzene von morgen. Alle, die ihren 36. Geburtstag noch nicht gefeiert haben, können die Young Member Card kaufen und sich damit 365 Tage lang Kunst- und Kulturgenuss vom Feinsten sichern. So hat man als Young Member inklusive einer Begleitperson freien Eintritt in die Ausstellungen, zahlt bei Veranstaltungen des Bucerius Kunst Forums nur den ermäßigten Preis und wird zu allen Ausstellungseröffnungen eingeladen. Ein eigens für die Young Members geschneidertes Veranstaltungsprogramm, mit Kreativworkshops oder Ausflügen in Künstlerateliers gibt es natürlich auch!



Die Vorteile im Überblick

  • freier Eintritt für dich und eine Begleitung, jederzeit ohne Wartezeiten
  • Einladung zu allen Ausstellungseröffnungen
  • Ausflüge in Künstlerateliers und Galerien
  • Kreativworkshops
  • Exklusive Führungen mit anschließendem Get-together zu jeder Ausstellung
  • Ermäßigter Eintritt für alle Veranstaltungen im Bucerius Kunst Forum
  • regelmäßiger Newsletter



Mitgliedschaft

  • 365 Tage Mitgliedschaft 
  • für eine Person bis 36 Jahre
  • Jahresbeitrag: 21 Euro



Young Member Card erwerben

Schön, dass du Young Member im Bucerius Kunst Club werden willst.

Du kannst deine Mitgliedschaft direkt an der Kasse des Bucerius Kunst Forums abschließen und deine Karte direkt mitnehmen.
Deine Karte ist dann genau ein Jahr gültig und verlängert sich nicht automatisch. Wenn du Mitglied in unserem jungen Kunst Club bleiben willst, komme einfach vorbei und lass deine Karte verlängern.

Wir freuen uns auf dich!



Mitgliedschaft verschenken

Tolle Idee, du willst eine Mitgliedschaft verschenken! Du kannst an unserer Kasse einen Gutschein für die Mitgliedschaft kaufen. Diesen Gutschein kann die glücklich beschenkte Person gegen eine persönliche Mitgliedskarte eintauschen, die ab diesem Zeitpunkt genau ein Jahr gültig ist.

Übrigens: Young Member gilt für alle Personen unter 36 Jahren.

Für Fragen stehen wir unter: young@remove-this.buceriuskunstclub.de zur Verfügung. 

Bitte beachte, dass unsere Kasse nur während der Ausstellungslaufzeit besetzt ist.




Kolumne

Kolumne von Lukas Schepers zu Here We Are Today. Das Bild der Welt in Foto- und Videokunst

Diese Kolumne hat bisher davon gelebt, dass ich mit einer kritischen Außenperspektive die aktuellen Ausstellungen bespreche. Das wird zukünftig nicht mehr möglich sein, da ich seit Juni in der künstlerischen Abteilung angestellt bin. Wenn man in den langwierigen Produktionsprozess eingebunden ist, weicht die Neutralität der durch all die Arbeitsstunden geborenen Voreingenommenheit.

Die aktuelle Ausstellung im Bucerius Kunst Forum Here We Are Today. Das Bild der Welt in Foto- & Videokunst zeigt, wie sich globale Themen in den Arbeiten von 15 internationalen Künstlerinnen und Künstlern widerspiegeln. Sie streifen Themen wie Identität, Heimat, Verbrechen, Vergangenheit und Kapital. In Politik und Medien wurden diese Bereiche in den letzten Jahren kontrovers diskutiert und können somit/folglich als gesellschaftlich relevant erachtet werden. Künstlerische Arbeiten ermöglichen durch ihren disruptiven Charakter einen neuen Blick auf unsere Welt. Diese Perspektiven zu eröffnen ist wichtig, wenn die Kunst in der sozialen Realität fußen soll, die uns umgibt, anstatt im Elfenbeinturm zu verstauben. Alle Werke zusammengenommen zeichnen ein Bild der Welt, in der wir uns jetzt befinden und die zu bewerten den Besucherinnen und Besuchern überlassen ist.

Die Widerspiegelung des real Vorhandenen löst bei unseren Besucherinnen und Besuchern sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Viele betonen, dass sie es sowohl mutig als auch wichtig finden, dass sich ein Haus wie das Bucerius Kunst Forum diesen Themen widmet. Einigen scheint die kuratorische Arbeit jedoch auch bitter aufzustoßen. So wurde unsere Ausstellung schon als „ideologisch“ und „dümmlich-besserwisserisch“ beschrieben. Sachlichkeit ist allerdings eine Voraussetzung, an der wir festhalten müssen, wenn der Diskurs nicht zum Kampf um Deutungshoheit verkommen soll. Alles andere würde Stillstand, wenn nicht sogar Rückschritt bedeuten. Und den kann niemand wollen.

Das bedeutet nicht, dass man sich über Kunst nicht streiten kann. Für die an unsere Ausstellung anknüpfenden Diskussionen sind wir offen. Die Werke schreien förmlich danach.

Fühlt euch also herzlich eingeladen, macht euch selber ein Bild der Welt, diskutiert und tauscht euch aus.
 


Kolumne von Lukas Schepers zu Welt im Umbruch. Kunst der 20er Jahre

In der Tat sind die 20er Jahre eine Zeit des Umbruchs. Es gibt auf einmal „Elektrizität für jedes Gerät“, die Motorisierung schreitet voran, erste Rundfunkübertragungen laufen, Fabriken füllen sich mit immer mehr Maschinen und Menschen. Auf der Straße liegen gliederlose und halbirre Kriegszitterer während in den hohen Apartments über ihnen kokainbefeuerte Parties gefeiert werden. Die neue Verfassung wird von Nationalsozialisten und Kommunisten abgelehnt, die sich gegenseitig noch mehr hassen als die Weimarer Republik.

All diese Widersprüche spiegeln sich in der Kunst der damaligen Zeit. Es sind kongeniale Werke von stechender Prägnanz mit klaren Konturen und klaren Botschaften. Eine kuratorische Meisterleistung ist bereits die Zurschaustellung der wechselseitigen Beeinflussung von Fotografie und Malerei, deren Eigenarten perfekt ineinandergreifen und so ein Mosaik der damaligen technischen, künstlerischen, politischen und gesellschaftlichen Umbrüche ergeben. Wirklich brillant wird die Ausstellung zusätzlich durch die aufgeworfenen Implikationen zur Gegenwart. Die künstlerischen Reaktionen auf die neusten Entwicklungen von damals erzählen etwas über den Stillstand von heute. Es scheint fast, als wären wir in dem Umbruch stecken geblieben, als hätte uns etwas zermürbt, abgestumpft, entfremdet und fragmentiert.

Es ist kaum vorstellbar, dass sich heute noch Künstler in die riesigen Fabrikhallen begeben, in denen mechanische Arme von Robotern unsere Autos zusammenschrauben. War der Radiohörer noch darstellenswert, ist heute der Kopfhörer radikalste Normalität. Vielleicht ist es Ausdruck einer Enttäuschung, denn Fordismus und Technik haben die Arbeiter ebenso wenig befreit, wie es künstliche Intelligenz tun wird. Die immer wieder gestellte soziale Frage ist nach wie vor nicht geklärt, aber mittlerweile für die meisten Kunstschaffenden vom Tisch. Schwangerschaftsabbrüche und die Verteilung von Informationen darüber sind nach wie vor umstritten, obwohl schon damals schwangere Proletariermädchen zum traurigen Sujet wurden. Wir müssen immer noch gegen die Objektifizierung und Diskrimierung von Frauen kämpfen, wobei damals schon emanzipiert mit Nacktheit umgegangen wurde. Den größten Schmerz löst jedoch aus, dass 2019 im Bundestag der „Untergang des Abendlandes“ und eine notwendige „Konservative Revolution“ an den Haaren herbeigezogen werden, wie sie 100 Jahre vorher schon der Antidemokrat Oswald Spengler fabulierte.

Die gegenwärtige Kunstszene scheint all das weniger zu interessieren als damals. Was sie sich aus dieser Zeit bewahrt hat, ist der Hang zu harten Drogen, der bei Jahresausstellungen und Absolventenfeiern deutscher Kunsthochschulen offen zutage tritt. Der Kaktus trendet auch wieder in Ateliers und Wohnung – ganz so wie damals. Und Selfies, wie das des Bauhausfotografen Umbo, sind angesagter denn je. So hält die Ausstellung ein großartiges Trostpflaster für alle Fortschrittspessimisten bereit. Denen ist dann sicherlich weniger Bange, wenn sie an den „Schwarzen Donnerstag“ vom Oktober 1929 denken, an dem die „Goldenen Zwanziger“ mit einem großen Knall vor die Hunde gingen und der Weg für den Faschismus frei wurde.

Kolumne von Lukas Schepers zu Anton Corbijn. The Living and the Dead

Die Bilder von Anton Corbijn wirkten auf mich ebenso genial wie enttäuschend. Doch nicht paradoxerweise in ihrer Gesamtheit, sondern eher dem zweigliedrigen Aufbau der Ausstellung entsprechend. Und hier kommt das für mich Überraschende: Mir haben die Auftragsarbeiten, die man im unteren Teil findet, wesentlich besser gefallen als die freien Arbeiten. Das war zuerst ein wahrer Schock, denn als jemand, der intuitiv vermutet, dass ein Künstler von ökonomischen Zwängen und branchenüblichen Gepflogenheiten befreit, ein wesentlich wertvolleres Werk schaffen kann, traf ich auf das Gegenteil. Die freie Arbeit a. somebody ist sicherlich für den Künstler persönlich von immenser psychologischer Bedeutung. Inhaltlich wirken sie auf den emotional zunächst unbeteiligten Betrachter eher wie eine raffinierte Hommage als ein fotografisches Kunstwerk. Und obwohl die obere Etage durch die Wechselwirkung zwischen a. somebody und den stechend scharfen Friedhofsbildern mit gespenstischer Bedeutung aufgeladen wird, wirken Letztere doch fast wie Kitsch, der ebenso auf den Spiegelreflexkameras etlicher Besucher von Père Lachaise oder einem der Magnificent Seven Cemeteries in London zu finden wäre.

Ganz im Gegenteil dazu die kommerzielle Kunst. Hier scheint sich die Wirkungskraft Corbijns erst richtig zu entfalten. Denn in der Porträtfotografie geht es nicht ausschließlich um Technik oder einen bestimmten Stil – auch, wenn dieser bei Corbijn durch bewusste Konventionsbrüche unverkennbar und definitiv von Bedeutung ist. Viel schwerer wiegt das soziale Feingefühl, welches man als Fotograf benötigt, um den Porträtierten einen sonst im Verborgenen liegenden Teil ihres Selbst zu entlocken. Möglicherweise ist dies eine viel größere Kunst, als gutes Licht und den richtigen Moment abzuwarten.

Wie schafft man es also, den sonst so exzentrischen David Bowie entwaffnet und hilflos aussehen zu lassen? Wie hält man es aus, sich derart von Henry Rollins anbrüllen zu lassen? Welcher Mut gehört dazu, die eitle Prominenz im eigenen Schatten verschwinden zu lassen? Die schier unglaubliche Diversität von absoluten Superstars in bizarr inszenierten Momenten spricht hier für das künstlerische Talent Corbijns und hat mich beim Ausstellungsbesuch oft ungläubig aufmerken lassen: Wie hat er das geschafft?



Über den Autor

Lukas Schepers macht zur Zeit seinen Master in Digitale Kommunikation an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und verbringt seine freien Stunden am liebsten über Bücher gebeugt, durchs Museum schlendernd oder an den Theatersitz gefesselt. Den sich dabei ansammelnden Gedanken wird er hier in regelmäßigen Abständen freien Lauf lassen.



Unser Direktor, Prof. Dr. Franz Wilhelm Kaiser hat Lukas geantwortet:

Lieber Lukas,

vielleicht dämpft es ein wenig deine Enttäuschung zu wissen, dass die Publikation a. somebody, als sie 2002 erschien, der erste Flop war in der damals schon langen und überaus erfolgreichen Geschichte der Zusammenarbeit zwischen Anton Corbijn und dem Schirmer/Mosel Verlag. Auch mein ehemaliger, auf Fotografie spezialisierter Kollege im Gemeentemuseum Den Haag urteilte, als wir erstmals darüber sprachen, sehr abfällig über diese Serie. Du bist also nicht alleine mit deinem verhaltenen Urteil. Freie, künstlerische Arbeiten sind oft spröde und nicht auf den ersten Blick zugänglich. Sie erfordern vom Betrachter intensive, kritische Auseinandersetzung – und das zeigt dein Beitrag deutlich. Anders liegt es bei Auftragsarbeiten, denn die müssen auf den ersten Blick gefallen! Anton Corbijn hatte anfangs große Schwierigkeiten, die spröde Ästhetik seiner Auftragsarbeiten durchzusetzen. Dann wurde er jedoch zu einem Trendsetter für eine neue Bildsprache von Musikerportraits – und a. somebody ist eine kritische Reflexion dieser Entwicklung und darüber hinaus eine, wie du auch schreibst, sehr persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.

Kolumne von Lukas Schepers zu Karl Schmidt-Rottluff. Expressiv, magisch, fremd

Für mich persönlich haben Künstler immer eine Vorreiterrolle gespielt. Indem sie sich mit ihrer Umwelt künstlerisch auseinandersetzen, bekommen sie einen Blick für die Wirklichkeit, der sich von dem des Kaufmanns oder Politikers unterscheiden muss. Gerade das macht sie so spannend und faszinierend. Karl Schmidt-Rottluffs Blick auf den deutschen Kolonialismus zeigt betörend schöne Farben und ausdrucksvolle Formen. Anstatt die gewaltvolle Historie der Gegenstände seiner ethnografischen Sammlung zu thematisieren, blieb Schmidt-Rottluff Nutznießer der kolonialen Ungerechtigkeit und war in gewisser Weise an seiner Verklärung beteiligt. Denn er hat sich in die Farbintensität sowie den subjektiven Ausdruck extremer Gefühle gestürzt, anstatt eine Kunst zu schaffen, die sich nicht nur formal von den Vorstellungen der breiten Maße unterschied. Es ist leicht, diese Denkweise als damals unzeitgemäß einzustufen, aber ich finde: Diesen progressiven Anspruch kann man an die Kunst stellen.

Interessanterweise wagte er es, während des Zweiten Weltkriegs Stillleben mit afrikanischen Masken zu malen – zumindest durch den historischen Kontext ein politisches Statement. Aber seine mystisch aufgeladenen Masken sind nur Oberflächen. Sie tragen eine transzendente Schöngeistigkeit in sich, die von der Überlegenheit des globalen Nordens über den globalen Süden zeugt.

Besucher werden für diese Thematik ganz subtil sensibilisiert und diskutieren nach einem Ausstellungsbesuch vielleicht nicht nur über seinen „Magischen Realismus“, sondern auch über Kolonialgeschichte.



Die Antwort von Dr. Kathrin Baumstark, Kuratorin der Ausstellung und des Bucerius Kunst Forums

Lieber Lukas,

nur weil sich ein Künstler durch andere Mittel als vielleicht ein Kaufmann oder Politiker mit seiner Umwelt auseinandersetzt, ist er kein besserer Mensch und muss auch kein Vorreiter sein (zumindest nicht im humanistischen Sinne). Das Gegenteil ist sogar der Fall, es ist eine rein subjektive Wahrnehmung und Wiedergabe. Und genau das macht Kunst vielleicht aus und kann deshalb auf so unterschiedliche Arten spannend sein. Emil Nolde war ein glühender Nazi, Caravaggio ein Mörder, Paul Gauguin schwängerte 13-jährige Südsee-Mädchen… Wir sind uns sicher einig, dass diese nur als Beispiel genannten Künstler keine „guten Menschen" waren. Sie taten Dinge und vertraten Ideologien, die für uns heute unvorstellbar sind, doch ihre Kunst berührt trotzdem.

Und auch das muss man alles in seiner Zeit betrachten: Nolde war leider nicht allein mit seinem Glaube an das Großdeutsche Reich und so muss man auch Karl Schmidt-Rottluff in seiner Zeit sehen. In einer Zeit des Kolonialismus. In einer Zeit, da der Handel mit Waren aus den Kolonien die Kaufleute nicht nur in Hamburg reich machte. In einer Zeit, da Menschen aus anderen Teilen der Welt als weniger wert galten.

Und dann kommt ein junger Künstler wie Karl Schmidt-Rottluff und entdeckt in der Handwerkskunst aus Zentral-, West,- und Ostafrika eine für ihn unbeschreiblich starke ästhetische Inhaltlichkeit. Vielleicht hast Du Recht, dass er Nutznießer dieser Kolonialpolitik war, aber er gestand den Kunst- und Kultgegenständen aus Afrika und auch aus Papua-Neuguinea einen solchen Wert zu, dass ich nicht glaube, dass er sich den Menschen, die diese geschaffen hatten, überlegen fühlte.

Es ist wichtig, dass wir eine solche Diskussion führen, dass Europa, Deutschland und auch Hamburg endlich anfangen, ihre Kolonialgeschichte aufzuarbeiten, dass Raubkunst zurückgegeben wird. Und es ist eben auch wichtig, so eine Ausstellung zu machen, die zum Nachdenken anregt und zu Gesprächen führt, um nicht in der political correctness zu verstummen und den Diskurs dummen Menschen am rechten Rand zu überlassen. Und vielleicht am wichtigsten: Der Expressionismus, die Kunst der Brücke und des Blauen Reiter, diese deutsche Kunst, die überall auf der Welt in bedeutenden Sammlungen und Museen vertreten ist, wäre ohne Einflüsse von außen, ohne Einflüsse aus Kamerun, dem Benin, Togo, der Elfenbeinküste oder Papua-Neuguinea so nicht entstanden. Weshalb wir auch hier den Populisten in Heimatministerien und sonst wo zurufen können: Wir müssen keine Angst vor Überfremdung haben, sie ist Teil unserer Kultur.

Kolumne von Lukas Schepers zu Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters

Als ich zuerst von dieser Ausstellung hörte, hätte ich um Haaresbreite laut gegähnt. Denn manche Werke dieser Epoche wirken auf den modernen Betrachter wie verstaubte Gemälde, die ebenso gut über dem mit Blumen bestickten Sofa der Großmutter hängen könnten. Unsere modernen Sehgewohnheiten sind von experimentellen Bildwelten, abstrakten Fantasien und schrillen Farben geprägt und nicht von Kühen auf Weiden oder verrauchten Bauernstuben. Für uns als junge Besucher gibt es also zweifellos spannendere Motive, aber es zählt eben nicht immer nur die Form.

Will man die Gegenwart verstehen, bleibt der Blick in die Vergangenheit unerlässlich. Wenn ich mir den heutigen Kunstmarkt anschaue und mir bei immer schwindelerregenderen Auktionspreisen fast die Augen aus dem Kopf fallen, muss dieser Blick auf die Niederlande des 17. Jahrhunderts fallen. Auch wenn diese urige Malerei uns vielleicht banal vorkommen mag, habe ich durch sie tiefergehendes Verständnis für die Mechanismen des Kunstmarkts erlangt, die bis heute Allgemeingültigkeit besitzen. Damien Hirsts Dot-Paintings und die toten Hasen, die Jan Weenix immer und immer wieder in seinen Stillleben darstellte haben dieselbe Funktion – sie bilden ein Markenzeichen, das den Künstlern einen Wiedererkennungswert gibt und so Sammelleidenschaft anspornt. Allerdings trennen den britischen Popartist und den holländischen Stilllebenmaler 300 Jahre Weltgeschichte inklusive industrielle Revolution und Globalisierung. Manches ändert sich eben nie.