Ausstellung

Anonyme Künstler (0): Meister des Hausbuchs, Passionsaltar, Kalvarienberg (Mitteltafel), 1470, Augustinermuseum Freiburg

Meister des Hausbuchs, Passionsaltar, Kalvarienberg (Mitteltafel)

Ab dem 14. Jahrhundert stellten Maler das Kreuzigungsgeschehen oft als vielfigurige Szene mit zahlreichen, genrehaften Ausschmückungen dar. In solch historisierender Schilderung zeigt es auch die Mitteltafel des um 1480 entstandenen Freiburger Passionsaltars des Hausbuchmeisters, einem der bedeutendsten Künstler der deutschen Spätgotik. Die Tafel ist in strenger Symmetrie aufgebaut. In der Mittelachse ragt das Kreuz Christi auf, beiderseits flankiert von den Kreuzen mit den Schächern, den neben Christus hingerichteten Verbrechern. Daneben drängen sich – weit in den Bildraum gestaffelt - jeweils Gruppen von Menschen. Unter den Kreuzen hocken die im Johannesevangelium erwähnten vier Kriegsknechte im Kreis, die unter sich Jesu Kleider aufteilten bis auf den gewebten Rock, von dem sie sagten: 

„Lasset uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wes er sein soll“. Seitlich links und rechts von ihnen sind die Stifter des Altars abgebildet, betend, den Rosenkranz in Händen haltend und in zeitgenössischer Tracht. 

Der einheitliche Goldgrund, zur Entstehungszeit der Tafel in Deutschland noch verbreitet, gibt der Szene, die mit ihrem Verzicht auf dramatisierende Handlungselemente Ruhe ausstrahlt, ein feierliches Gepräge. Er zeigt nicht die Verfinsterung des Himmels bei Jesu Tod, sondern kündet verheißungsvoll vom neuen Jerusalem, von der „Stadt aus reinem Golde“, als die sie in der Offenbarung geschildert wird. Mitten im Gedränge auf der linken Seite der Kreuze steht im roten Gewand mit lockigem Haar der Jünger Johannes. Neben ihm blickt Maria, den schwarzen Mantel über den Kopf gezogen, zum Kreuz empor. Die beiden, von Jesus der gegenseitigen Fürsorge anheimgegeben, halten sich an den Händen. Ebenfalls in dieser Gruppe gezeigt ist der römische Soldat Longinus. In reichen Brokat gewandet und mit roter Kapuze, hat er wie betend die Hände vor der Brust überkreuzt.