Ausstellung

Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625) oder Jan Brueghel d. J. (1601–1678), Blumenstrauß in skulptierter Vase, um 1620, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen © Lukas-Art in Flanders VZW

Blumenstrauß in skulptierter Vase

Unter den Stillleben, die sich als eigenständige Bildgattung erst um 1600 in Antwerpen entwickelten, bilden die Blumenstücke eine besondere Kategorie. Die üppigen Sträuße sind nicht nur ästhetisch komponiert, sondern drücken auch das Natur- und Kunstverständnis ihrer Zeit aus. Begründer und wichtigster Vertreter der Antwerpener Blumenmalerei war Jan Brueghel d. Ä., Sohn von Pieter Bruegel d. Ä., Freund und Malerkollege von Rubens und bevorzugter Maler der Erzherzöge Albrecht und Isabella. Von ihm – oder von seinem Sohn und Schüler Jan Brueghel d. J. – stammt der großformatige Antwerpener Blumenstrauß.

Die nicht symmetrische, aber sehr ausgewogene Komposition präsentiert vor dunklem Hintergrund einen wohlgeordneten, tiefenräumlich gestaffelten Strauß verschiedenster Blumen wie Rose, Schneeball, Kornblume, Tulpe, Iris und Vergissmeinnicht, den Abschluss bilden Kaiserkrone, Lilie und Päonie. Der Reichtum an Formen, die Brillanz der Farben und die bildsprengende Fülle entfalten eine überwältigende Pracht. Neben der Augenlust kommt auch die Entdeckerfreude auf ihre Kosten: Im Blumenstrauß sind verschiedene Insekten wie Wespe, Ameise, Marienkäfer, Schmetterling, Heuschrecke und Libelle verborgen und erst bei genauem Hinsehen erkennbar.

Statt an die Vergänglichkeit zu mahnen, wie dies viele barocke Stillleben tun, feiern diese Blumen das Leben, preisen Gott in seiner Schöpfung. Die Blumenstücke belegen auch handwerkliche Perfektion und malerisches Können des Meisters, der in seiner Kunst die Natur mit illusionistischem Realismus wiedergeben und so über sie triumphieren kann. Die Akribie der Beobachtung, die detaillierte Erfassung und die enzyklopädische Zusammenstellung entsprechen dem Interesse an der Natur und den wissenschaftlichen Bestrebungen am Beginn des 17. Jahrhunderts, wie es sich in botanischen Werken wie Kräuterbüchern oder Florilegien ausdrückte.