Ausstellung

Erasmus Quellinus d. J. (1607–1678) und Jan Fijt (1611–1661): Portrait eines Jungen, um 1650/55, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen, © Lukas-Art in Flanders VZW

Portrait eines Jungen

Im Gemälde von Erasmus Quellinus und Jan Fyt steht ein kleiner Junge mit roten Pausbacken leicht aus dem Zentrum nach links gerückt, in einem kompakten Gewand auf erdigem Boden in freier Natur.

Seine bestimmte Körperhaltung mit der in der Geste eines Erwachsenen in die Seite gestemmten rechten Hand und sein Gesichtsausdruck mit dem Blick zur Seite drücken eine Mischung aus Wohlbehagen und Missfallen aus, die einen Zug ins Überhebliche hat. Das reiche, hellblaue Damastkleid schmücken gelbe Schleifen, den breiten, flachen Kragen weiße Kordeln. Über der weißen Mütze ist leicht schräg ein schwarzer Hut platziert, von dem eine Straußenfeder herabhängt. Auf der linken, von einem Lederhandschuh geschützten Hand, sitzt ein Jagdfalke mit roter Kappe und Glöckchen. Zur Jagdausrüstung gehören auch die auf der rechten Seite hängende Falknertasche und die beiden Hunde. Während der braun-weiße Jagdhund mit gesenktem Kopf im Vordergrund steht, zeigt das Windspiel mit seiner langen Schnauze auf den Kopf des Jungen.

Hunde als die am besten zu dressierenden Haustiere symbolisieren Folgsamkeit und Erziehung; sie wurden häufig in Kinderportraits gezeigt, zumeist aber als Spielgefährten. Hier macht die Haltung der Hunde deutlich, wer das Sagen hat. Die Herrschaft des Kindes, das selbst noch der Erziehung unterliegt, über die gehorsamen Hunde entbehrt nicht einer ironischen Note. Der dramatische Gewitterhimmel über den Bäumen, der die Hälfte der Bildfläche einnimmt, spiegelt die ernste Stimmung des Knaben. In der Ferne links im Hintergrund scheint die Abendsonne auf Antwerpen. Die Lokalisierung des Knaben vor der städtischen Kulisse – und nicht etwa vor einem Landsitz – lässt auf bürgerliche Auftraggeber schließen. Die Attribute der Jagd, traditionell ein Privileg des Adels, signalisieren den Anspruch auf aristokratische Lebensführung. Hier zeigt sich die Projektion der Eltern: sie sahen in ihrem Kind den standesbewussten Nachfolger und Erben.

Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wurden in den Niederlanden Kinder nicht nur als Teil von Familiendarstellungen, sondern auch in Einzelportraits gemalt. In dieser vom Bürgertum aus Fürsten- und Adelshäusern übernommenen Tradition drückte sich nicht nur Elternstolz und große Wertschätzung der Kinder aus, sondern manifestiert sich auch ein dynastischer Anspruch.