Ausstellung

Jacob Jordaens (1593-1678): Was die Alten sungen, das pfiffen die Jungen, 1638, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen © Lukas-Art in Flanders VZW

Was die Alten sungen, das pfiffen die Jungen

Thema des für eine Genredarstellung ungewöhnlich monumentalen Gemäldes ist das Sprichwort "Was die Alten sungen, das pfiffen die Jungen", auf Holländisch in der Kartusche an der Wand über der musizierenden Gruppe wiedergegeben. Die Redewendung, spätestens in Dirck Volckertsz. Coornherts ethischem Traktat Zedekunst dat is wellevenskunste von 1585 nachweisbar, bezieht sich auf die Vorbildhaftigkeit der Älteren im Guten wie im Schlechten. 

Der pietistische Dichter und Staatsmann Jacob Cats behandelte dieses Sprichwort in seinem 1632 in Den Haag erschienenen, schnell verbreiteten Spiegel van den ouden ende nieuvven tijdt, und auch der Antwerpener Jesuit Adrianus Poirters gab 1646 in Het masker van de wereldt afgetrocken eine ausführliche Moralpredigt zu diesem Spruch ab. Zur Illustration des Ausdrucks versammelt Jordaens drei Generationen zum gemeinsamen Singen und Musizieren um einen mit Brot, Trauben und Wein bestückten Tisch. Die beiden Großeltern flankieren das Geschehen. Der Paterfamilias hält ein Liederbuch und gibt mit der rechten Hand den Takt vor, die Großmutter in einem strandkorbartigen Lehnstuhl gegenüber singt aus voller Kehle mit. Die mittlere Generation ist mit einem Dudelsackspieler und der schweigend lauschenden Mutter vertreten, während die Jüngsten, auf dem Schoß der Mutter und zwischen den Knien des Großvaters, in Flöte und Tröte blasen. Ein Windspiel rechts im Vordergrund hat ob des wohl beachtlichen Lärmens seine langen Ohren aufgestellt. 

Die im Vergleich zu früheren Werken von Jordaens gedämpften Farben, weicheren Schatten und Konturen sowie die ausgeglichene Lichtführung tragen zur vertraulichen, harmonischen Stimmung des Gemäldes bei. Der sympathisierende Grundton mag auch an einem realistischen Moment liegen: Der Großvater trägt die Züge von Jordaens’ Lehrer und Schwiegervater Adam van Noort, der zur Entstehungszeit des Gemäldes 76 Jahre alt war. Das Thema hat Jordaens in mehreren Gemälden mit Variationen und allegorischen Beifügungen ausgeführt.