Ausstellung

Anthonis van Dyck (1599-1641): Beweinung Christi, 1635, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen, © Lukas-Art in Flanders VZW

Beweinung Christi

Van Dyck appelliert mit seiner Beweinung Christi an das Mitfühlen des Betrachters, aber anders als Rubens in seiner Gestaltung des Themas zeigt er nicht das intime, geschlossene Miteinander der Trauernden, sondern setzt auf das deklamatorische Pathos der großen Geste. Das Gemälde war auch nicht für die häusliche Andacht vorgesehen, es gehörte zu einem Altar der Sieben-Schmerzen-Mariä. Aus dieser Bestimmung ergibt sich die Ausrichtung der Komposition auf die leidende Gottesmutter.  

Maria sitzt, an eine Felswand gelehnt, auf der linken Seite, ihre erhobenen und weit ausgestreckten Arme nehmen die Haltung bei der Kreuzigung auf. Ihr schmerzverzerrtes Antlitz mit geröteten Augen und leicht geöffnetem Mund ist zum Himmel gerichtet, ein Ausdruck von Wehklage und größtem Leid. Hier ist Maria nicht die Mittlerin zwischen Christus und den Menschen, hier ist sie nichts als die Schmerzensmutter. In ihrem Schoß ruht der umstrahlte Kopf Christi. Sein Körper erstreckt sich in der Mitteldiagonale über das Bild. Er liegt auf einem Tuch, dessen intensives Blau, das alle anderen gedämpften Farben des Gemäldes überstrahlt, dem des Himmels gleicht und vielleicht die Sphäre der Auferstehung andeutet. Wie bei Rubens ist Christi Körper weitgehend unversehrt; die Tragik des Geschehens liegt nicht auf seinem Leiden, sondern auf dem Schmerz der Trauernden.Mit einer ausdrücklichen Geste bekräftigt Johannes die vorangegangene Kreuzigung: Er hat den Arm Christi angehoben und weist mit dem linken Zeigefinger auf die Handwunde. Ein von Wolken halb verdeckter Engel, dem Johannes das Stigma präsentiert, hat die Hände inbrünstig zum Gebet gefaltet. Ein zweiter verbirgt das Gesicht in den Händen, die das Ende eines kunstvoll über die Flügel drapierten schwarzen Schleiers fassen.

Das Gemälde, schon vom italienischen Kunsttheoretiker Bellori 1672 als vielbewundert hervorgehoben, gehörte zu einem Marmoraltar, den der von van Dyck portraitierte Abbé Cesare Alessandro Scaglia 1634/35 für die Sieben-Schmerzen-Mariä-Kapelle der Antwerpener Franziskanerkirche gestiftet hatte und der 1637 aufgestellt wurde. Über der Beweinung befand sich die Statue einer Mater Dolorosa, eine Marienfigur, der ein Schwert das Herz durchbohrt. Diese wird heute in der Antwerpener St.-Karl-Borromäus-Kirche aufbewahrt. Das Portrait des Stifters sehen Sie im Ausstellungsraum, der sich den Bildnissen der Rubenszeit widmet.