Ausstellung

Peter Paul Rubens (1577-1640): Frierende Venus, 1614, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen, © Lukas-Art in Flanders VZW

Frierende Venus

Rubens zeigt in seinem 1614 entstandenen Gemälde Venus, die Göttin der Liebe. Diese hockt unwürdig nackt auf dem Boden. Sie biegt ihren in Dreiviertelansicht gegebenen Rücken nach vorn und wendet den Kopf in Richtung des Betrachtes. Mit offenem Mund und leerem Blick schaut sie nach unten. Zu ihren Füßen kauert ihr ebenfalls nackter Sohn Amor auf seinem Köcher. Dieser bietet ihm ein wenig Schutz vor den eisigen Steinen. So mühsam wie vergeblich versucht er, sich mit einem Gazeschleier, den er von Venus’ Schoß über seine Schulter zieht, zu wärmen.

Rubens interpretiert in diesem Gemälde einen Spruch des römischen Komödiendichters Terenz, nach dem Venus ohne Ceres und Bacchus frieren müsse: "Sine Cerere et Libero friget Venus." Steht Ceres für Brot und Liber, d.h. Bacchus, für Wein, so meint dies im übertragenen Sinn, ohne Nahrung und Getränke verkümmere die Liebe. Rubens hat sich mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt und verschiedene Bildkompositionen dafür gefunden. Für dieses Gemälde übernahm er die hockende Haltung von einer antiken Venus-Statue und setzt effektvoll das Frieren der Liebesgöttin in Szene, die von Ceres und Bacchus verlassenen wurde. Sie erscheint in diesem Bild nicht als lockende Göttin, sondern als schutzlos Frierende. Auf seinen Bocksfüßen hat sich ein dunkel-zottiger Satyr in gebeugter Haltung an Venus herangepirscht. Unter seinem rechten Arm trägt er ein Füllhorn, aus dem Ähren, Zeichen der Ceres, und Trauben, Symbol für Bacchus, quellen. Vor dem dunklen Hintergrund dieser Szene hat das Füllhorn nichts von den verheißungsvollen Gaben der Fortuna, sondern etwas Bedrohliches. Essen und Trinken, in ihrer übertriebenen Form als Völlerei und Suff, galten im 17. Jahrhundert als Grundübel, die das Laster der Wollust fördern. Der Satyr, dem in hämischer Geilheit die Zunge heraushängt, hat seine linke Hand erhoben, als wolle er Venus gleich antippen. Oder weist sein ausgestreckter Finger über ihren Kopf in Richtung des Betrachters und spricht ihn persönlich an? 

Das ursprünglich nur 121 x 95 cm große Gemälde wurde an drei Seiten durch Anstückungen vergrößert, links um 69 cm, rechts sowie oben um je 20 cm. Wann und warum die – qualitätvollen – Ergänzungen ausgeführt wurden, ist nicht bekannt. Die Bäume der angefügten Holztafeln wurden frühestens 1640, im Todesjahr von Rubens, gefällt. Eine eigenhändige Erweiterung, wie sie Rubens bei anderen Gemälden vorgenommen hat, ist also ausgeschlossen, nicht aber eine zeitnahe Ausführung noch im 17. Jahrhundert, vielleicht von einem ehemaligen Mitarbeiter aus seiner Werkstatt.