Ausstellung

Gerhard Richter (1932): Flämische Krone, 1965, Privatsammlung

Flämische Krone

Diesen Kronleuchter photographierte Gerhard Richter im Wohnzimmer seines Schwiegervaters und malte dann nach der Photographie das Bild. Der Titel Flämische Krone verweist auf die Typenbezeichnung des Leuchters, der in seiner ausladenden geschwungenen Form auf Vorbilder des flämischen 17. und 18. Jahrhunderts zurückgeht und sich im 20. Jahrhundert zu einem regelrechten Massenprodukt entwickelte. Dadurch, dass er den Leuchter bildfüllend und in Untersicht darstellt, inszeniert Richter das Einrichtungsstück wie einen kostbaren Gegenstand aus einem barocken Stillleben. Richter äußerte sich zu diesem Gemälde: "Das sieht aus wie aus einem Bild von Frans Hals. In Wirklichkeit war es ein ganz billiger Kronleuchter, die Art, die es früher in Kaufhäusern gab." 

 

Richter thematisiert in diesem Gemälde das Schreckliche des Banalen, das ihn an vielen der von ihm ausgewählten Motiven interessierte. Richter verweist selbst auf Hannah Arendts Formulierung von der "Banalität des Bösen", die sie ursprünglich im Zusammenhang mit dem Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann prägte und die später zu einem geflügelten Wort avancierte. Richter betont, es sei ihm wichtig, die Banalität als etwas Beängstigendes zu schildern. Und so erscheint ihm auch dieser Kronleuchter als ein "Ungeheuer", wie er es nennt. In seiner Normalität sei diese Darstellung "viel erschreckender" als jeder entstellte Körper. Er fügt hinzu: "Das ist es, was das Banale zu mehr macht als etwas Banalem", der Kronleuchter sei schrecklich, "so wie alle Wohnzimmer schrecklich sind, voll von Verbrechen und elend, wie überall".