Ausstellung

Sano di Pietro (1405-1481): Die Himmelfahrt Mariens, um 1448, Lindenau-Museum Altenburg

Die Himmelfahrt Mariens

Im Auftrag der Stadt Siena malte Sano di Pietro 1448–1452 für den alten Altar der Kapelle im Palazzo Pubblico eine neue Predella mit fünf Szenen aus dem Marienleben. Diese bestand aus den Episoden Mariä Geburt, Tempelgang und Mariä Vermählung sowie den beiden Altenburger Tafeln. Auf der einen Tafel schwebt Maria in einer von Cherubim und Seraphim gebildeten Mandorla himmelwärts. Begleitet wird sie von musizierenden Engeln, die ein Orchester aus Oboen, Psalterium, Fidel, Laute, Schellentrommel, Triangel, Harfe und Singstimme formen. Die himmlische Gruppe schwebt vor goldenem Hintergrund über einem dunklen Berg, an dessen Fuß das offene, nun leere Grab der Muttergottes mit dem heiligen Thomas davor zu sehen ist. Der stark verkleinerte Apostel öffnet die Hände zum Empfang des Gürtels der Muttergottes, der als Beweis des Wunders herabfällt.

Die Predella fügte sich in das Bildprogramm der Kapelle, die Maria, der Patronin Sienas, geweiht war. Deren Wände hatte Taddeo di Bartolo mit Szenen aus ihrer späten Vita bemalt. Über dem Altar befand sich das heute zerstörte Fresko Mariä Krönung, die auf die Himmelfahrt folgende letzte Episode der Marienlegende. 1448 war vertraglich festgelegt worden, die Himmelfahrt, entgegen der chronologischen Abfolge, als mittlere der fünf Darstellungen zu platzieren. In dieser hierarchischen Zuweisung spiegelt sich der Rang von Mariä Himmelfahrt als höchstem Fest Sienas.