Ausstellung

Liberale da Verona (Liberale di Jacopo dalla Biava) (1445-1526): Madonna mit Kind, um 1467, Lindenau-Museum Altenburg

Madonna mit Kind

Andachtsbilder, auf denen die Muttergottes mit dem Kind zu sehen ist, haben eine lange Tradition. Sie finden sich bereits auf Ikonen des 6. Jahrhunderts und wurden in der Tafelmalerei Italiens ein beliebtes Thema, vor allem in Siena, der Stadt, die Maria zu ihrer Schutzheiligen erklärt hatte. Im Lauf der Zeit bildeten sich zahlreiche Marientypen heraus. Hierzu gehört auch die zärtliche Mutter, die Glykophilousa (Süßküssende). Dieser Begriff stammt aber nicht aus byzantinischer Zeit, sondern wurde erst später geprägt.

Auf der Tafel sind Mutter und Kind in inniger Umarmung wiedergegeben. Maria hält mit schmalen Fingern ihr Kind zärtlich und fast vorsichtig umfangen, während sich der kleine, blond gelockte Knabe eng an sie schmiegt und seine Arme fest um ihren Hals schlingt. Er drückt seine Wange an die der Mutter und hat den Kopf so in den Nacken gelegt, dass er nach oben schauen kann. Er fixiert einen fernen Punkt. Die Muttergottes hingegen hat die Augen niedergeschlagen und blickt hinter den halb geschlossenen Lidern auf ihren Sohn. Jesus trägt ein goldenes, mit Sternen besetztes Kleid, das sich vom Dunkelblau des Mantels der Mutter absetzt. Sein Heiligenschein ist mit Ornamenten geschmückt, während jener der Mutter durch die Worte gebildet ist, mit denen sie der Engel der Verkündigung begrüßt hat: „AVE GRATIA PLENA DOMINUS TECUM“  (Gegrüßet seist du, Hochbegnadete! Der Herr ist mit dir!). Die Buchstaben sind in das Gold graviert beziehungsweise gepunzt, ebenso die Kreise, die die Worte einrahmen und damit beide Heiligenscheine vom Goldgrund absetzen. Der breite, nicht bemalte Streifen der Tafel war vermutlich früher von einem Rahmen überdeckt.

Die Tafel wird Liberale da Verona zugeschrieben. Dieser Buch- und Tafelmaler, der 1465 in Verona dokumentiert ist, lebte ab 1466 bei den Mönchen im Konvent des Monte Oliveto bei Siena, wo er eine Reihe von Chorbüchern illuminierte, und arbeitete anschließend für die Bauhütte des Doms von Siena. Als er 1476 nach Verona zurückkehrte, malte er dort eine Serie von Bildern, die Maria mit Kind zeigen. Doch die Altenburger Tafel entstand vermutlich in der Zeit, als Liberale in Siena tätig war. Sie wird um 1467 datiert. Die Darstellungsweise ist sehr konservativ und folgt dem Typus byzantinischer Ikonen.