Ausstellung

Guido da Siena (nachweisbar 1260-1280): Anbetung der Könige, um 1270/80, Lindenau-Museum Altenburg

Anbetung der Könige

Dieses Gemälde gehört zu einem der ältesten und bedeutendsten Komplexe der frühen sienesischen Malerei. Sie zeigen die Anbetung der Könige, die Flucht nach Ägypten, die Geißelung und die Kreuzbesteigung Christi. Der Zyklus umfasst acht weitere – hier nicht gezeigte - Tafeln mit Szenen aus dem Leben Christi und Mariä, die mit Guido da Siena oder dessen Umfeld in Verbindung gebracht werden.

Charakteristisch für die toskanische Malerei am Ende des 13. Jahrhunderts ist der Bildaufbau der Tafeln mit den lediglich angedeuteten Architekturen in Rosa-, Grün-, Gelb- und Blautönen. Diese werden durch horizontale Gesimse und schlitzartige Fensteröffnungen gegliedert. Oft schließt eine etwa hüfthohe Mauer die Szene im Vordergrund ab, während links und rechts mehrgeschossige Gebäude aufragen. Meist erscheinen sie in pseudoperspektivischer ,Verkürzung’, die durch einen diagonalen Verlauf der Gesimse und durch Aufhellung der Farbe Raumtiefe suggerieren soll.

Ähnlich verfährt Guido da Siena mit den Landschaftskürzeln in Gestalt steiler, aber nur etwa mannshoher Berge, die seitlich abgetreppt und mit sparsamem Bewuchs ,dekoriert’ sind. Wie variable Kulissen hinterfangen die Gebäude und Berge einzelne Figuren oder stellen sie vor dem Goldgrund frei und akzentuieren oder rhythmisieren auf diese Weise die Komposition. Ein schmaler dunkler Bodenstreifen im Vordergrund bildet eine Art Bühne, auf der die Figuren in friesartiger Reihung agieren, sei es einzeln oder zu Gruppen geballt.

Ihre übersteigerte Gestik und Körpersprache veranschaulicht die Dramatik der Heilsgeschichte auf eindringliche Weise. So etwa in der Szene der Geißelung, bei der Guido die Duldsamkeit Christi mit der Brutalität der schwungvoll zum Schlag ausholenden Schergen kontrastiert, oder in der Kreuzbesteigung, wo Maria ihren freiwillig und beherzt die Leiter erklimmenden Sohn mit dem einen Arm umfasst, während sie mit dem anderen die umstehende Volks¬menge energisch zurückweist.