Ausstellung

Lorenzo Monaco (eigentlich Pietro di Giovanni, nachweisbar 1391–1422): Christus am Kreuz mit den Heiligen Benedikt, Franziskus und Romuald, um 1405/07, Lindenau-Museum Altenburg

Christus am Kreuz mit den Heiligen Benedikt, Franziskus und Romuald

Die kleinformatige Tafel Lorenzo Monacos zeigt eine Kreuzigungsszene. Der Maler war 1390, vermutlich nach einer Ausbildung in der Werkstatt Agnolo Gaddis, in den Florentiner Konvent der Kamaldulenser eingetreten. In diesem Kontext des Eremitentums mit einem verfeinerten, städtischen Anspruch dürfte das Gemälde entstanden sein. Es verkürzt und intensiviert das historische Geschehen der Kreuzigung: Monumental steht das Kreuz im Zentrum, dessen Balken fest mit der Bildfläche verspannt sind. Die Gestalt des Gekreuzigten mit den bis in die Ecken ausgestreckten Armen und den ausgemergelten Konturen seines im Sterben zusammengesackten Körpers hebt sich vom glatten Goldgrund ab. Blut fließt in langgezogenen Tropfen aus den Handwunden, als würde es auf die Oberfläche der Tafel herabrinnen; in einem kurzen Strahl schießt es auch aus der Seitenwunde. Drei Engel schweben heran, um es mit Schüsseln aufzufangen; ein vierter verharrt in demütiger Anbetung vor dem Kreuz. Es sind abstrakt verkleinerte, transparente Figuren, die in feiner Punzierung und Modellierung auf den Goldgrund gesetzt sind und seinen matten Glanz flimmernd beleben. Sie veranschaulichen die sakramentale Deutung der Kreuzigung, das in der Eucharistie wiederholte Mysterium der Erlösung. Darin liegt die theologische Bedeutung der Kreuzigung, deren Darstellung hier durch die gemalten Zierleisten zum Bild im Bild wird.

Zugleich ist das Kreuz nicht ganz Teil des Bildes – es befindet sich deutlich vor dieser Rahmung, so als träte Christus in seinem menschlichen Sterben aus seiner figürlichen Bedeutung heraus und uns greifbar vor Augen. Die Präsenz Christi wird dort weiter betont, wo der Kreuzstamm in den Felsgrund des Schädelberges eingesetzt ist. Denn die karge Landschaftsbühne sprengt nun endgültig den vorgegeben Rahmen des Bildes und schiebt sich dem Betrachter entgegen.

Links sitzt Benedikt, der Urvater des Mönchtums, ihm gegenüber Romuald, der in strengem Bezug auf die Regeln des Benedikt den Kamaldulenserorden gegründet hatte. Zwischen beiden kniet Franziskus als Patron und Gründer der Franziskaner. Rote Strahlen akzentuieren seine Stigmata, die ihn als Vorbild für die imaginative Verinnerlichung der Passion ausweisen. Daher kann er hier jene Rolle übernehmen, die beim historischen Geschehen der leidenschaftlichen Magdalena zukam, und umfasst in ergriffener Liebe das Kreuz. Das Blut der Nagelwunden versickert dort, wo das Bild dem Betrachter am nächsten kommt und wo es vermutlich von einem zweiten, hölzernen Rahmen begrenzt worden ist. Die leichte Verschiebung des Kreuzes aus der Achse deutet darauf hin, dass die Tafel das Fragment eines Diptychons ist. Dann hätte dem Gekreuzigten eine zweite Tafel, wahrscheinlich eine thronende Madonna, links zur Seite gestanden.

Lorenzo Monacos Kreuzigungstafel ist auf eine nahsichtige Vermittlung der Glaubensgeheimnisse von Inkarnation und Erlösung ausgerichtet. Es ist ein verstörendes Gemälde, das seine eigenen Grenzen auslotet. Sein Auftraggeber könnte ein Mitglied der Kamaldulenser gewesen sein. Diese räumten der Meditation und dem Gebet in der privaten Zelle großes Gewicht ein. Vielleicht war sein Name Francesco, weshalb er seinem Patron die zentrale Rolle zugewiesen sehen wollte: Die kunstvoll verkürzte Gestalt des Franziskus eröffnet den nacherlebenden Zugang zum Leiden Christi. Er bildet hier die emotionale Brücke zu einer Darstellung, die den Gekreuzigten an ihren Bildträger bindet und ihn zugleich in seiner Menschlichkeit begreifbar macht für eine innere Betrachtung.