Ausstellung

Sandro Botticelli (1445-1510): Bildnis einer Dame, um 1475, Lindenau-Museum Altenburg

Bildnis einer Dame

Dieses Profilbildnis einer jungen Dame vor einer Landschaft ist ein typisches Portraitwerk der italienischen Renaissance. Die Bildfläche wird allseitig von einem wie aus hellem Stein gestalteten Rahmen umschlossen. Eine junge Frau steht in Halbfigur und im strengen Profil nach links gewandt in einem Interieur, das sich durch zwei übereck gestellte Fenster öffnet. Sie lassen eine hügelige Flusslandschaft mit Bäumen sichtbar werden. Im rechten Bildhintergrund erscheint hinter einer steinernen Brücke eine Stadt mit Palazzi, Kirchen und einem durch mächtige Rundbögen charakterisierten Turm. Die unbekannte Schöne trägt unter einem schweren grünen Mantel mit rotem Kragen ein schlichtes weißes Kleid und blickt regungslos geradeaus.

Vom Kleid ist lediglich der in feine Falten geschobene Ärmel zu sehen. Das blonde Haar trägt sie in einer kunstvollen Lockenfrisur mit einem dicken Zopf. Ihre rechte Hand liegt auf einem geschlossenen Buch im Fenster. Ein weißes Taschentuch hält sie in der Linken. Nimbus, Palmzweig und das Rad mit den kräftigen schwarzen Eisenhaken als Attribut kamen samt Mantel in einer späteren Übermalung hinzu. Somit handelt es sich um das Portrait einer jungen Dame vielleicht namens Caterina, das nachträglich in das Heiligenbild der Katharina von Alexandria verwandelt wurde.

Die vorgeschlagene Identifizierung mit Caterina Sforza, Gräfin von Forlì, einer außerehelichen Tochter des Herzogs von Mailand, ist jedoch problematisch, da sie auf Portraitmedaillen anders wiedergegeben wird. Die vornehme Unbekannte gibt sich als Bürgerin aus Florenz zu erkennen. Zumindest deutet darauf jener Turm, der mit seinen weiten Bogenöffnungen an die Rückfront des Stadttores von San Niccolò erinnert. Überdies lässt das große Format auf eine höhere soziale Stellung der Portraitierten schließen. Aufgrund des Zeigegestus mit dem ausgestreckten Zeigefinger ihrer rechten Hand aus dem Fenster hinaus und nicht zuletzt des an Filippo Lippi orientierten Portrait-Modus könnte der Tafel ein männliches Pendant zugeordnet gewesen sein. Sandro Botticelli, der Schöpfer der berühmten Venus, war auch der wichtigste Produzent autonomer Portraits im Florenz des 15. Jahrhunderts.