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Zerreißproben

4. April 2017 20:00 - 22:00 Uhr

Gesellschaft der Extreme oder der Verständigung?

Die gesellschaftliche Mitte ist in Bewegung geraten. Die Zuwanderung führt einerseits zu starkem Engagement und einer eindrucksvollen Willkommenskultur, andererseits zu Ängsten und Belastungen. Vielfach stehen sich die Seiten mehr oder weniger sprachlos gegenüber – an die Stelle von Argumenten treten Hassbotschaften. Und immer mehr Menschen öffnen sich radikalen und populistischen Politik- Angeboten. Was bedeutet das für die Demokratie? Und wie kann man wieder ins Gespräch kommen?

Carolin Emcke
freie Publizistin, hat sich nicht nur als Krisenreporterin immer wieder mit Gewalt und deren Entstehung auseinandergesetzt. Ihr Buch „Gegen den Hass“ ist ein Plädoyer für Toleranz und Verständigung. 2016 wurde Emcke mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Oliver Decker
Sozialpsychologe und Rechtsextremismus-Forscher. Die Studie „Die enthemmte Mitte“, die er mit verantwortet, zeigt, wie sich antidemokratische Ideologien in bürgerlichen Schichten ausbreiten. Die Analyse mündet in Forderungen nach politischer Bildungsarbeit.

Markus Nierth
Theologe und Ex-Bürgermeister von Tröglitz. Der Ort in Sachsen-Anhalt geriet 2015 mit offenen Protesten gegen den Bau eines Flüchtlingsheims bundesweit in die Schlagzeilen. Nierth trat nach Gewaltandrohungen gegen ihn zurück. Er plädiert u. a. für neue Werte in Bildung und Erziehung und ein engeres Zusammenwirken von Politik und Bürgern.

Wir entwickeln uns zu einer zerrissenen Gesellschaft. Der Zusammenhalt scheint zu schwinden. Trotz des hohen Wohlstandsniveaus wächst die Furcht der Deutschen. Das hängt mit Zukunftsrisiken und dem Gefühl zusammen, ungerecht behandelt und bei weitreichenden Entscheidungen gar nicht beteiligt (und auch benachteiligt) zu werden. Polarisierungen nehmen weiter zu. Politische Extreme profitieren. Die Haltung des Entweder-Oder macht offene Gespräche jenseits eingefahrener Einstellungen schwierig. Manipulationsvorwürfe und das Beharren auf den jeweils eigenen Sichtweisen („Lagerdenken“) haben Konjunktur, gleichzeitig wächst die Kluft zwischen Arm und Reich, und der Generationenvertrag droht zu scheitern. Toleranz, Achtung und Miteinander bleiben auf der Strecke. Zerreißproben belasten eine Gesellschaft – Ausgang offen. Die ZEIT-Stiftung und NDR Info wollen aktuelle Belastungsproben und ihre Ursachen, exemplarische Gefahren und Chancen benennen. Drei Diskussionsrunden thematisieren die Spannungsfelder und Gräben in unserer Gesellschaft, sie fragen nach Brücken und Wegen, die Spannungen überwinden können.

Veranstaltungsreihe von ZEIT-Stiftung und NDR Info

Anmeldung ab Februar 2017 möglich unter www.zeit-stiftung.de/anmeldung/zerreissproben

Der Eintritt ist frei.

© Bucerius Kunst Forum