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Zehntausende Opfer – und dann Freispruch!
Aus den Erinnerungen der ehemaligen Oberstaatsanwälte Jochen Kuhlmann und Dr. Udo Löhr an Hamburger NS-Verfahren

6. Februar 2018 20:00 - 22:00 Uhr

Dokumentarstück von Michael Batz

Sprecher: Jantje Billker, Isabella Vértes-Schütter, Tommaso Cacciapuoti, Andreas Grötzinger

Musik: Jakob Neubauer, Edgar Herzog

„Hört damit auf!“ – Diese Worte rief der jüdische Künstler und Publizist Arie Goral-Sternheim, als sich in einem Verfahren gegen ehemalige NS-Täter wieder einmal Freisprüche abzeichneten, die Schuld ohne Sühne blieb. Die Geschichte der juristischen Aufarbeitung und Strafvergeltung von Kriegs- und NS-Verbrechen ist bis in die Gegenwart noch nicht völlig abgeschlossen. Über die moralische und symbolische Bedeutung solcher Verfahren hinaus werden auch juristische Grundfragen über individuelle Schuld und Sühne weiterhin diskutiert. Nach den früh einsetzenden Prozessen alliierter Militärgerichte stieß die Aufklärung staatlich organisierter NS-Morde in beiden deutschen Staaten der Nachkriegszeit auf kein primäres Interesse. Erst ein gesellschaftlicher Generationswechsel Ende der 1950er Jahre leitete eine justizpolitische Wende ein, die in Hamburg zur Einrichtung einer speziellen Abteilung (NSG –Nationalsozialistische Gewaltverbrechen) in der Staatsanwaltschaft führte.

Zu den letzten Angehörigen dieser Abteilung zählen die ehemaligen Oberstaatsanwälte Jochen Kuhlmann und Dr. Udo Löhr. Ihre Erfahrungen und Erinnerungen aus vielen Jahren äußerst schwieriger Tätigkeit, etwa das Verfahren gegen Dr. Ludwig Hahn, als Kommandeur des SD mitverantwortlich für die endgültige Räumung des Ghettos in Warschau 1943, werden in dem Dokumentarstück Zehntausende Opfer – und dann Freispruch! verdichtet. Die anschaulichen Berichte geben einen unmittelbaren Einblick in zuweilen kaum auszuhaltende Widersprüche zwischen vollbrachten Taten und ihrer späteren rechtlichen Behandlung.

Eine Veranstaltung der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Eintritt: € 10,– / € 8,- 

Veranstaltungstickets

Foto: Aufnahme aus dem Warschauer Ghetto, jüdischer Händler, © Staatsarchiv Hamburg