Exhibition

Schmale Büste auf Sockel (genannt Amenophis), 1954, Privatsammlung, Schweiz © Succession Alberto Giacometti (Fondation Alberto et Annette Giacometti, Paris + ADAGP, Paris), 2015

Schmale Büste auf Sockel (genannt Amenophis)

Dieses Bildnis eines Mannes verdeutlicht eindrücklich Giacomettis Beschäftigung mit Fragen der Wahrnehmung und dem Bezug von Körper und Raum. Nähert man sich der Plastik von vorne, erscheint über der breiten Brust- und Schulterpartie nicht, wie man es bei einer klassischen Büste erwarten würde, ein ovaler Kopf. Stattdessen zeigt sich eine auf die Nasenspitze zulaufende keilförmige Form, die ein Gesicht nur andeutet. Erst wenn man um die Plastik herumgeht, ist ein Gesicht im Profil erkennbar.

Wie schon bei den Miniaturfiguren der späten 1930er und der Kriegsjahre zeugt auch diese Büste von Giacomettis konsequentem Wunsch, in seiner Kunst das umzusetzen, was er sah – nicht dass, was er wusste. Er brach dabei mit der Tradition der Bildhauerei, in der die Bildhauer die Körper nicht so schufen, wie sie sie sahen, sondern als Abbild der Realität, als Volumen im Raum.