Ausstellung

Sturz in die Welt. Die Kunst des Manierismus in Europa

15. November 2008 - 11. Januar 2009

Der Manierismus gilt als erste Kunstbewegung,die ganz Europa gleichzeitig erfasste. In Florenz, Prag, Antwerpen und Madrid ließen Künstler im 16. Jahrhundert die Ideale der Renaissance hinter sich. Sie setzten nicht länger auf den harmonischen Einklang von Mensch und Welt, sondern gaben ihren Werken eine kapriziöse Manier. Grelle Farben, übersteigerte Raumkonstruktionen und schräge Perspektiven spiegelten die Brüche und Wandlungen jener Zeit wider. Menschen wurden mit ausdrucksstarker Gestik, Landschaften mit phantastischen Elementen dargestellt – eine drastische Expressivität, die auch heute noch modern wirkt.

Während die Künstler der Renaissance ihre idealen Kompositionen als zwanglos natürlich erscheinen ließen, sollten die manieristischen Gemälde inszeniert wirken – das Bild wird zur Bühne, auf der die Figuren nach dem Belieben des Regie führenden Malers auftreten. Das manieristische Kunstwerk des 16. Jahrhunderts war nicht mehr Ausdruck einer Wahrheit, sondern ein Objekt der Wahrnehmung: Es verlangte nach bewusster Auseinandersetzung. Erstmals in der Geschichte der Kunst wurde die künstlerische Strategie sichtbar gemacht. Damit wurde eine bis in die Moderne geltende Auffassung des Künstlers als schöpferisches Individuum begründet.

Der Epoche des Manierismus, der für Kunst und Künstler wie ein Sturz in die Welt wirkte, widmet das Bucerius Kunst Forum eine Ausstellung, die das künstlerische Prinzip ins Zentrum stellt. Mit über 100 Werken aus der Sammlung des Museums der bildenden Künste in Budapest setzt sie die Reihe des Bucerius Kunst Forums zur Aktualität der Bildwelten Alter Meister fort. 

Denys Calvaert, Die Bekehrung des Paulus, um 1570/1580, Szépmüvészeti Múzeum, Budapest