Ausstellung

Picasso und die Mythen

13. Dezember 2002 - 16. März 2003

Dem wohl bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts - Pablo Picasso - gilt die Eröffnungsausstellung des Bucerius Kunst Forums in Hamburg. Unter dem Thema Picasso und die Mythen zeigt sie 150 Gemälde, plastische, keramische und graphische Arbeiten aus allen Shaffensphasen sowie einige ausgewählte antike und afrikanische Vergleichsbeispiele. Ihr Kurator Steingrim Laursen hat sie aus Sammlungen wie dem Museé Picasso, dem Centre Georges Pompidou, aber auch aus Privatbesitz, darunter die bedeutende Sammlung aus Paris, zusammen getragen. So kann das Bucerius Kunst Forum neben berühmten Arbeiten auch zahlreiche Werke zeigen, die zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden

Picasso begeisterte sich für die antike Kunst des Mittelmeeres. Auch die alten Meister waren ihm vertraut. Sie hatten die Traditionen der klassischen Kunst Griechenlands und Roms weiter entwickelt. Die Mythologie mit ihren Zweideutigkeiten, Metamorphosen und Grenzüberschreitungen war für Picasso ein Leitbild. Sie bestärkte ihn in seinem Streben nach Vielfalt und Wandlungsfähigkeit.

"Ich suche nicht, ich finde." Mit diesen Worten beschrieb Picasso seine Kunst. Sie schöpfte aus den Mythen wie aus einem allgegenwärtigen und unermesslichen Reservoir. Die Ausstellung führt vor Augen, wie Picasso sich Traditionen einverleibte, sie in die Gegenwart und auf das eigene Leben übertrug und umwertete. Für einen neuen Lebensabschnitt und eine neue Gefährtin veränderte Picasso häufig auch seinen Stil und fand in den mythischen Figuren neue imaginäre Ebenbilder und Begleiter.

Wie alle großen Revolutionäre der modernen Kunst war sich auch Picasso seiner Traditionen bewusst. Sie gaben ihm Sicherheit, wenn er ins Unbekannte vorstieß. Die Gestalten der Mythen, die Figuren der antiken Götter- und Menschenwelt regten ihn zu Erfindungen an, die der Avantgarde lange nachwirkende Impulse gaben. In Pygmalion, dessen Liebe ein Kunstwerk in Fleisch und Blut verwandelte, erkannte Picasso seinen Doppelgänger. Für den Minotauros, das Mischwesen aus Mensch und Stier, ersann der Spanier neue Rollen: bald Opfer der Corrida, bald Eindringling ins Atelier des Künstlers. Faune und Kentauren, lebensfrohe Bewohner Arkadiens, erzählen vom eigenen Glück.